Thüringer Gesellschaft
für das hochbegabte Kind e.V.
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Erfahrungsbericht

Mal ein - bis jetzt - durchweg positiver Erfahrungsbericht

Unser Sohn wurde 2004 geboren. Im Gegensatz zu vielen hochbegabten Kindern war er in seiner Entwicklung zwar in allen übrigen Persönlichkeitsbereichen seiner Zeit voraus, nicht jedoch beim aktiven Sprechen. Hier war er stets „nur" altersgerecht entwickelt.

Die Probleme bei uns bewegten sich bisher stets im grünen Bereich: ein grundsätzlich geringeres Schlafbedürfnis führte bei uns zwar mit zwei bis drei Jahren bereits zur Abschaffung des Mittagsschlafs, die Kita jedoch war hier bis zuletzt sehr unflexibel. Doch generell hatten wir das Glück, eine gute Kita mit guten Rahmenbedingungen gefunden zu haben: Eine Integrativ-Kita, die mit kleinen, alters gemischten Gruppen ohnehin gewohnt war und über genügend Personal verfügte, auf jedes Kind sehr individuell einzugehen. Allerdings zeigte sich auch, dass hier routiniert und hochprofessionell mit Defiziten umgegangen wurde, „so" ein Kind aber, eines mit Vorsprüngen, beileibe nicht immer adäquat mit Lernangeboten versorgt wurde. Aber dennoch waren alle stets bemüht und unser Sohn fühlte sich immer wohl und ging gern in die Kita.

Mit drei Jahren entstand Interesse für Buchstaben und Worte, mit vier lernte unser Sohn aus reinem Eigeninteresse lesen, schreiben und rechnen. Auch wir sind als Eltern nie damit hausieren gegangen und so „flog" unser Sohn in der Kita erst als vierjähriger auf, als er seinen Erzieherinnen sagte, sie sollen bitte ihre Lohnsteuerkarten mitbringen. Auf ihre erstaunte Rückfrage hin verwies er auf einen kleinen Zettel, den die Leiterin auf dem Essenwagen hinterlegt hatte. Testweise sollte er dann noch etwas anderes lesen, was er mühelos hinbekam, denn er konnte das ja bereits fließend. Die ganze Kitagruppe hielt den Atem an.

Eher einschulen lassen wollten wir ihn zunächst nicht. In vielerlei Hinsicht war er eben noch Vorschulkind mit alterstypischen Bedürfnissen wie emotionaler Zuwendung und Kuscheln. Daneben jedoch hatte er seine Macken: Typische Alltagshandlungen (Umkleiden, Duschen usw.) waren und sind ein Gräuel, er hat kaum Interesse an altersgerechten Spielsachen, Begeisterung aber immer bei Büchern, Experimenten oder Geocaching. Zu Weihnachten mit fünf Jahren hatte er auch auf wiederholtes Nachfragen hin nur einen einzigen Wunsch: Ein Teleskop, mit dem man die Planeten auch mal sehen kann.

Da unserem Sohn in seiner Kita im letzten Jahr viele Spielpartner aufgrund ihrer Einschulung abhandenkamen, er gleichzeitig anspruchsvoller hinsichtlich Lernangeboten wurde und allmählich im Zusammensein mit Gleichaltrigen in die Gruppenkasperrolle geriet, ließen wir ihn dann doch ein halbes Jahr eher zur Schule gehen. Er selbst wollte schon viel eher. Die Schuleignungstests erwiesen sich als sicherlich gut geeignet, Defizite aufzuspüren, für „unsere" Kinder aber sind sie nur bedingt geeignet: Zu benennende Bilder mit Tieren oder Farben waren deutsch oder englisch beschriftet und somit unpassend für Kinder, die schon lange in beiden Sprachen gut lesen (und auch übersetzen) können.

Auch mit der Schule hatten wir Riesenglück: In unserem Ort gibt es eine freie Ganztagsschule. Sie schult auch zum Halbjahr ein. Und sie hat von Jenaplan das Stammgruppensystem übernommen: Zwei Jahrgänge sind in Stammgruppen zusammengefasst. Alle Schüler können in diesen Gruppen sehr individuell auf ihrem je eigenen Niveau lernen. Damit gelang der Start super, da unser Sohn in einigen Bereichen direkt in Klasse 2 einsteigen konnte. Nicht auszudenken, was passiert wäre an einer „traditionellen" Grundschule, in der man ihn mit Buchstaben (die Fibel hat er mit vier Jahren durchgearbeitet) oder Zahlen bzw. dem Zählen gelangweilt hätte. Schon zu Hause verweigert er sich bei solcher Unterforderung: Vermutlich wäre er demnächst an einer Förderschule gelandet, weil er nie mitgemacht und stattdessen gestört, herumgealbert oder gezappelt (ADHS?!) hätte. Bis jetzt also geht es ihm gut; er geht sehr gern hin.

Bis jetzt ist unsere Welt also in Ordnung. Aber eben nur, weil wir hier eine Kita und eine Schule haben, die individuell auf entwicklungsgerechte Bedürfnisse eingehen konnten, können und WOLLEN. In den meisten Regionen Thüringens fehlen leider diese Möglichkeiten, Katastrophen sind damit vorprogrammiert.

Hinzuzufügen wäre abschließend vielleicht noch, dass unser Sohn allgemein recht beliebt ist; überaus sozialverträglich. Dies ist sicher auch eine Folge der stets vorgefundenen guten institutionellen Rahmenbedingungen, die Unterforderung sowie nicht-Beachtung seiner Besonderheiten und daraus resultierende Verhaltensauffälligkeiten stets vermieden haben.

 

 

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